Die Abbaye Notre-Dame de Sénanque in der Nähe von Gordes.

Stille rund um die Abbaye Notre-Dame de Sénanque

23. November 2020 | 0 Kommentare

Die Zisterzienser Abtei nördlich von Gordes ist ein Bildmotiv, das in fast jedem Provence-Wandkalender zu finden ist. Nicht ohne Grund: Denn im Hochsommer ist der Blick auf das Steingebäude mit seinen umgebenden Lavendelfeldern einzigartig.

Vom Bergdorf Gordes im Département Vaucluse aus geht es über die Route de Sénanque (D15/D177) Richtung Norden. Knapp vier Kilometer führt die spektakuläre Strecke hin zum Kloster Sénanque. Rechts der schmalen Straße ragt die Felswand hoch, links tut sich der steile Abgrund zum engen Tal des Flusses Sénancole auf. Langsames und konzentriertes Fahren ist hier ein absolutes Muss. Bei hohem Verkehrsaufkommen in der Sommersaison, an Sonn- und Feiertagen, wird die Route sicherheitshalber zur Einbahnstraße.

Die Fahrt aber lohnt sich und der Besuch des Klosters allemal: vorzugsweise an einem Wochentag, wenn nicht Heerscharen von Touristen einfallen. Vom Parkplatz aus dauert der Fußweg zur Abtei mit der Kirche, dem Kreuzgang sowie den Wohn- und Wirtschaftsgebäuden rund fünf Minuten. Im Juli und August ist das graue Steingebäude aus dem 11. Jahrhundert umrahmt von leuchtenden Lavendelfeldern. Das Betreten der Felder, nur um das perfekte Foto zu schießen, ist strengstens verboten. Die Nutzpflanze darf in keiner Weise geschädigt werden, um den Ernteertrag nicht zu gefährden. Denn die in Sénanque lebenden Mönche stellen feinste Lavendelprodukte her, die im Klosterladen verkauft werden.

Typisch asketische Strenge des Ordens

Gegründet wurde das Zisterzienser-Kloster im Jahr 1148. Abtei und Kirche spiegeln die typisch asketische Strenge des Ordens wider. Die Architektur der Gebäude nimmt die einfache Lebensweise der Mönche auf. Kirche sowie Wohn- und Wirtschaftsgebäude sind innen wie außen schmucklos. Weder zieren Fresken die Wände, noch verschönern Skulpturen die Räume. Wer in der Abteikirche Notre-Dame nach den üblichen, künstlerisch gestalteten bunten Glasfenstern sucht, tut dies vergeblich. Beim Platzieren und Zuschnitt der Fenster haben die Bauherren im Mittelalter ausschließlich auf den Lichteinfall geachtet. Denn das Licht spielt im christlichen Glauben eine wichtige Rolle: Jesus, das Licht der Welt.

Im Sommer konkurriert das Blau-Violett des Lavendels mit dem Blau des Himmels.

Der Name der Abtei wird vom Fluss Sénancole abgeleitet

Das im engen Tal des Flusses Sénancole liegende Kloster weist zwei Besonderheiten auf: die 48 verzierten Arkadenbögen im Kreuzgang und das aufwendige achtachsige Gewölbe der Kirche. Die Materialien für den Bau mussten übrigens nicht von weit her gebracht werden. Die Umgebung lieferte sowohl die Steine als auch das Holz. Der Name der Abtei leitet sich vom Name des Flusses ab.

Wenn nur wenige Besucher da sind, breitet sich im Tal wohltuende Stille aus. Der Wind streicht zart über die Lavendelblüten, die einen betörenden und intensiven Duft verströmen. Wer einmal mit sich alleine sein möchte, kann dies in spiritueller Einkehr bei den Mönchen tun. Es gibt schlichte Gästezimmer. Einen Eindruck von den öffentlich zugänglichen Räumen des Klosters erhält der Besucher bei Führungen. Gemeinsam mit den Ordensbrüdern kann an Sonn- und Festtagen der Gottesdienst gefeiert werden. Dem Gesang der Mönche in der Kirche Notre-Dame zuhören zu dürfen, ist ein nachhaltiges Erlebnis.

Info

Die Abbaye Notre-Dame de Sénanque ist täglich geöffnet. Es gibt festgelegte Einlasszeiten. Das Kloster kann individuell besucht werden (Audiogeräte) oder in einer geführten Tour (nur in Französisch). Die Mönche bieten eine spirituelle Auszeit von maximal acht Tagen an. www.senanque.fr

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