Die Fondation Maeght - mitten im Pinienwald.

Die Fondation Maeght: Ein Museum mit Weitblick

9. August 2021 | 0 Kommentare

In der Nähe des sehenswerten Dorfes Saint-Paul-de-Vence oberhalb von Cagnes-sur-Mer befindet sich ein ganz außergewöhnliches Museum mit zeitgenössischer und moderner Kunst. Das Ehepaar Marguerite und Aimé Maeght gründete es 1964 als private Stiftung und hinterließ eine umfangreiche Sammlung an einem der schönsten Orte der Welt: der Côte d'Azur.

Wenige Kilometer oberhalb von Cagnes-sur-Mer liegt auf 350 Metern Höhe das zauberhafte Bergdorf Saint-Paul-de-Vence. Nicht einmal 3500 Menschen leben dort. In den warmen Monaten des Jahres aber finden tausende Touristen den Weg dorthin. In den schmalen Gassen der ehemaligen mittelalterlichen Festungsanlage schlendern sie an Boutiquen und Galerien vorbei, begegnen Kunsthandwerk und Kitsch. Das Dorf zog besonders nach dem Zweiten Weltkrieg viele Künstler an. Einer der bedeutendsten war Marc Chagall, der sich 1966 in Saint-Paul-de-Vence niederließ und 1985 auf dem dortigen Friedhof begraben wurde.

Damals wie heute ist das Gasthaus La Colombe d’Or ein beliebter Treffpunkt. Marc Chagall vertrieb sich dort ebenso gern die Zeit wie Matisse und Picasso. Viele Skizzen seiner berühmten Gäste, die damit ihre Zeche bezahlten, zieren die Wände des legendären Restaurants, das dadurch einem kleinen Museum gleicht.

Das Haus im Pinienwald ist selbst ein Kunstwerk

Doch was wäre der Ausflug nach Saint-Paul ohne den Besuch der Fondation Maeght. Auch wer sich nur am Rande für zeitgenössische und moderne Kunst interessiert, sollte es nicht versäumen, dieses außergewöhnliche Museum kennen zu lernen – und sich viel Zeit dafür zu nehmen. Das Haus mitten im Pinienwald, entworfen vom spanischen Architekten Josep Lluis Sert mit künstlerischer Unterstützung von u.a. Joan Miró und Georges Braque, ist selbst ein Kunstwerk. Das Hauptgebäude mit Ausstellungsflächen innen und außen, Terrassen und Patios, ist umgeben von einem Skulpturen-Garten und dem Labyrinth von Miró. Eine öffentlich zugängliche Bibliothek mit mehr als 30.000 Bänden, eine Kapelle und ein Café mit großzügiger Terrasse, die einen traumhaften Blick auf den Skulpturen-Garten bietet, vervollständigen das Ensemble.

Von der Dachterrasse schweift der Blick zum Meer.

„Ein Museum mit Weitblick“ habe ich diese Momentaufnahme überschrieben. Weit schweift der Blick nicht nur über den Skulpturen-Garten, sondern von der Dachterrasse auch bis hin zum Mittelmeer. Weit öffnet sich der Blick im Labyrinth von Miró nicht nur um den Ausweg zu finden, sondern auch die Verbindung zwischen Kunst und Natur, zwischen den unterschiedlichen Materialien zu erkennen und zu verstehen, dass Kunst und Natur eine vollkommene Einheit bilden können. Die aktuelle Schau „Les Giacometti – une famille de créateurs“ (bis 14. November 2021) ermöglicht einen erweiternden Blick auf den Begriff Kunst. Die Ausstellung bringt die so verschiedenen Arbeiten der fünf Giacomettis unter ein Dach: Gemälde, Skulpturen, Design und Architektur. Der Besucher erweitert seine Kenntnisse und weitet seinen Blick für das Zusammenspiel von Mensch, Kunst und Natur.

Ein wertvolles Erbe von Marguerite und Aimé Maeght

Diesen Weitblick verdanken wir Marguerite (1909-1977) und ,Aimé Maeght (1906-1981), die diesen inspirierenden und nachhaltigen Ort 1964 geschaffen haben. Der Lithograf und seine Frau besaßen 1932 in Cannes ein Druckhaus, in dem sie auch Bilder von Künstlern aus der nahmen Umgebung ausstellten und sie förderten. Sie waren zur rechten Zeit am rechten Ort. Schnell unterhielten sie freundschaftliche Beziehungen zum Beispiel zu Marc Chagall, Henri Matisse, Joan Miró, Wassily Kandinsky oder Alberto Giacometti. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete das Ehepaar eine Galerie in Paris. 1964 gründete es die private Stiftung. Das Museum war nicht nur ein Ort, um Kunst zu sehen, sondern auch um diese zu schaffen. So kamen die Künstler, um dort zu arbeiten und um sich auszutauschen.

Info

Die Fondation Maeght ist eine der größten Sammlungen von Bildern, Skulpturen und anderer Arbeiten der modernen und zeitgenössischen Kunst in Europa. Mehr als 13.000 Exponate sind archiviert, von denen immer nur ein Teil in der ständigen Ausstellung zu sehen ist. Die Stiftung zählt jährlich mehr als 100.000 Besucher.

www.fondation-maeght.com

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