Provenzalische Beschaulichkeit auf den Stufen zur Arena von Arles.

Arles – spanisches Temperament und provenzalische Beschaulichkeit

23. September 2020 | 0 Kommentare

Bei einem mittäglichen Bummel durch die Altstadtgassen scheint die Zeit stehenzubleiben. Die Rhône nimmt auf ihren letzten Kilometern bis zum Mittelmeer noch einmal Fahrt auf.

Es ist still, sehr still an diesem heißen Tag im frühen Sommer 2020. Im großen Oval des Amphitheaters, der Arena, verlieren sich nur einige wenige Touristen. Die antiken Steine geben die Hitze zurück, die Luft flirrt, der Himmel ist ewig blau. Ausnahmezustand! Die Welt steht still in Zeiten der Pandemie. Die Arena von Arles ist in einen Dornröschen-Schlaf versunken. Der erste große Stierkampf zu Ostern wurde abgesagt. Über die Stufen der 25.000 Menschen fassenden Arena wirbelt ein leichter Wind plötzlich ein wenig Staub und einige Papierfetzen auf.

Der Blick ins weite Rund setzt das Kopfkino in Gang. Die Fanfaren des beginnenden Stierkampfes erfüllen das Amphitheater, die Menschen jubeln, feuern die Kämpfer an, die in der Course Camarguaise, der unblutigen Variante des Stierkampfes, mit eleganten Körperbewegungen versuchen, dem Taureau ein Band zwischen den Hörnern zu entreißen. Mit waghalsigen Sprüngen retten sich die jungen Männer hinter die Bretterwand. Die Menge tobt.

Ungewohnte Ruhe vor der antiken Kampfbahn

Doch noch herrscht ungewohnte Ruhe in und vor der antiken Kampfbahn. Vor ihren Toren sorgt ein Damenduo – Mutter und Tochter – für Unterhaltung. Ihr Temperament beim Flamenco lässt die Nähe zu Spanien fühlen und weckt den Wunsch nach normalen Zeiten. Einstweilen bleiben die Plätze in den Bistros und Cafés rund um die Arena nur spärlich besetzt. Für die Stadt Arles ist die Situation ein Desaster, denn sie lebt vom Tourismus. Die Arbeitslosenquote ist ohnehin hoch, wird wahrscheinlich weiter steigen.

Flamenco vor der Arena

Dennoch lohnt sich auch jetzt ein Besuch dieses Ortes mit den Zeitzeugen der römischen Antike, die teils zum Unesco-Welterbe gehören, der Kathedrale Saint-Trophime, dem Rathaus, dem Place de la République mit dem Obelisken auf dem Brunnen. Lassen Sie sich einfach durch die Gassen der Altstadt treiben und stecken Sie den Stadtplan, den Sie im Office de Tourisme bekommen, einfach in die Tasche.

Bunte Hausfassaden und überall Spuren von
Vincent van Gogh

Zahlreiche kleine Restaurants laden zu einer Pause ein. Bunte Hausfassaden, an denen nicht nur der Zahn der Zeit nagt, sondern auch der Mistral und die Feuchte des nahen Mittelmeeres ihre Spuren hinterlassen, bieten vielfältige Fotomotive. Setzen sich sich auf die Terrasse des Café Van Gogh an der Rue Favorin und lassen Sie die Zeit stillstehen. Denn Sie sind mitten im Gemälde „Abendterrasse im Café“, das Vincent van Gogh während seines Aufenthaltes in Arles 1888/89 malte. Das Bild hängt heute im Kröller-Müller-Museum in Arnhem.

Vincent van Gogh kam im Februar 1888 nach Arles – auf der Suche nach dem natürlichen Licht. Der Maler blieb 15 Monate und schuf in dieser Zeit 300 Werke. Allerdings ist heute keines in Arles zu sehen. Das gelbe Haus, Place Lamartine, in dem der Maler einige Zeit wohnte, fiel einem Bombenangriff der Alliierten am 25. Juni 1944 zum Opfer. Das Museum „Fondation Vincent Van Gogh“ zeigt eine Dokumentation über das Leben des Malers in Arles.
www.fondation-vincentvangogh-arles.org

Die Rhône schließt die Camargue in ihre Arme

In Arles gebührt nicht nur den antiken und klassischen Stätten sowie van Gogh Aufmerksamkeit, sondern auch der Rhône. 776 Kilometer hat der Fluss bis hierher zurückgelegt, 24 hat er nun noch vor sich bevor er sich in den Wellen des Mittelmeeres verliert. Hier in Arles teilt sich die Rhône in zwei Arme zwischen denen die Camargue liegt. Der wasserreichste Strom Frankreichs, der in den Schweizer Alpen entspringt, nimmt in seinem Delta noch einmal Fahrt auf. Luxus-Flusskreuzfahrtschiffe starten und beenden an den Docks von Arles ihre Reisen. Bei einem Spaziergang auf dem Quai de la Roquette kann man verträumt auf die Rhône schauen und die Eindrücke von Arles noch einmal Revue passieren lassen.

Und wenn die Stadt wieder vom spanischen Temperament erfüllt ist und sich am Abend provenzalische Behaglichkeit in den Altstadtgassen breit macht, sind Sie bestimmt auch wieder zu Gast in Arles.

Informationen: www.arlestourisme.com

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