Extravagante Kunst auf Château La Coste: Crouching Spider von Louise Bourgeois.

Ambitionierte Kunst unter provenzalischer Sonne

14. September 2026 | 0 Kommentare

Christian Levett eröffnete mit dem FAMM in Mougins das erste Museum in Europa nur für Künstlerinnen. Patrick McKillen schuf auf Château La Coste in der Nähe von Aix-en-Provence einen einzigartigen Skulpturenpark auf einem Weingut. Zwei außergewöhnliche Orte für exklusiven Kunstgenuss in Südfrankreich.

Eine Reise in die Provence ist mehr als nur Lavendelfelder zu bestaunen, Olivenölmühlen zu besuchen und den wohl besten Roséwein der Welt zu trinken. Die Provence mit ihrer wunderschönen blauen Küste, der Côte d’Azur, hat sich längst zu einer kulturellen Hochburg entwickelt. Museen mit berühmten und weniger bekannten Werken, Musik- und Theater-Festivals aller Genres, das Filmfestival in Cannes, temporäre Ausstellungen – wie 2025 die weltweit beachtete Cézanne-Retrospektive in seiner Heimatstadt Aix-en-Provence: Der Süden Frankreichs lädt dazu ein, Kunst, Kultur und Kulinarik zu genießen. Das Angebot ist vielfältig. Wir stellen zwei ganz außergewöhnliche Orte vor: das FAMM, Femmes Artistes Musée Mougins, und das Château La Coste in Le Puy Sainte-Réparade.

FAMM: Wertschätzung und Würdigung weiblicher Kunst

Christian Levett eröffnete im Juni 2024 das FAMM in Mougins. Foto: FAMM

Das im Juni 2024 eröffnete FAMM in Mougins ist das erste Museum in Europa, das ausschließlich Kunst von Frauen ausstellt. Mehr als hundert Werke aus den vergangenen 150 Jahren vom Impressionismus bis hin zur zeitgenössischen Kunst sind zu bewundern, verlangen nach kritischer Betrachtung, erfahren Anerkennung, vielleicht auch Ablehnung. Wertschätzung, Respekt und Würdigung gilt den Frauen, die sich damals bis heute gegen eine Männerdomäne behaupten. Die Rezension bezieht sich allein auf die Betrachtung ihrer Werke.

Im malerischen Bergdorf Mougins, dort wo Pablo Picasso die letzten zwölf Jahre bis zu seinem Tod verbrachte, steckt das sandsteinfarbene Haus mit den zartgrünen Fensterläden an der Rue du Commandeur voller Kunst. Hinter dem alten Gemäuer präsentiert sich ein hochmodernes Museum, dessen Interieur nicht davon ablenkt, was es gilt, sich anzuschauen. Gleich zu Beginn die Überraschung: In der schlichten Architektur begegnen wir dem Impressionismus. Julie Manet, Berthe Morisot, Blanche Hoschedé-Monet verdienen besondere Beachtung. Julie Manet, Tochter von Berthe Morisot und Nichte von Édouard Manet, stand Model für ihre Mutter, ihren Onkel und Pierre-August Renoir, bevor sie selbst begann zu malen. Sie setzte sich für den Erhalt und die internationale Anerkennung für das Werk ihrer Mutter ein. Blanche Hoschedé-Monet, Schwiegertochter von Claude Monet, steht in der ersten Galerie gleichermaßen im Focus.

Erlesene Kunst hinter schlichter Fassade.

So wie sich Julie Manet für die Kunst ihrer Weggefährtinnen einsetzte, tut dies heute Christian Levett (56), der Gründer und Inhaber dieses Museums. „Ich betrachte mich als Anwalt und Förderer der Künstlerinnen“, sagt der ehemalige Investmentmanager. Kunstwerke von Frauen aus verschiedenen Zeitaltern seien eine Entdeckungsreise. Auch der Markt sei sehr spannend, gleichwohl er schwieriger werde. Schon mit sieben Jahren war der Brite ein leidenschaftlicher Sammler von Medaillen und Münzen. Mit 25 ging er nach Paris, besuchte jedes Museum, jede Galerie. Das Sammeln „wurde zu einer Sucht“. Das Augenmerk von Christian Levett richtet sich aktuell auf „Modern and Contemporary Art from women“. So sieht der Betrachter in der zweiten Etage abstrakte Werke aus den 1950er und -60er Jahren von Künstlerinnen aus New York und der West Coast wie Sonia Gechtoff und Elaine de Kooning. Beide stellten gemeinsam mit Mark Rothko und Willem de Kooning aus. Doch fanden ihre Exponate weit weniger Würdigung. Arbeiten von Frida Kahlo und Leonor Fini locken das Auge. Seit über 30 Jahren sammelt Christian Levett nun Kunst. Seine Kollektion umfasst rund 2000 Stücke, darunter 700 von Frauen. Er verleiht an berühmte Museen wie das Centre Pompidou in Paris, das Metropolitan in New York oder das Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid – will Kunst für die Öffentlichkeit zugänglich machen, seine Passion teilen.

Château La Coste: Moderne Kunst und Architektur

Wer Kunst und Kulinarik mit Architektur verbinden möchte, ist im Château La Coste genau an der richtigen Adresse. Für das irgendwo im Nirgendwo liegende alte provenzalische Weingut, auf dem schon seit der Römerzeit Rebensaft produziert wird, begann im Jahr 2002 eine neue Zeitrechnung. Der irische Immobilien-Investor (Luxushotels und Geschäftsgebäude) Patrick McKillen (71) kaufte die von bewaldeten Hügeln, Weinfeldern und Olivenhainen umgebene Domaine und startete eine Transformation. Der erfolgreiche Geschäftsmann mit großer Leidenschaft für Kunst und Architektur schuf ein international anerkanntes Refugium für Gegenwartskunst und moderne Baustile mit avantgardistischen Elementen.

Der alte Teil des Weinguts vermittelt den Eindruck eines kleinen provenzalischen village mit Dorfplatz rund um einen Brunnen, Bistros, einem Laden – der Wine-Shop – einer Auberge und Galerien mit temporären Ausstellungen. Gleich nebenan „Gate“, entworfen vom japanischen Architekten Tadao Ando. Das futuristische Art Center, das Eingangstor zum Château La Coste, mit seinen riesigen Wänden, schwimmend auf einem See, ist Architektur und Skulptur gleichermaßen. Ando, der sich in seinem Schaffen nicht nur von traditionellen japanischen Einflüssen, sondern auch von Le Corbusier inspirieren lässt, spielt mit den Wänden, erschafft eine theatralische Installation, die trennt und zugleich den dahinterliegenden Raum verbirgt: das Eingangsgebäude mit Ticketverkauf, Buch- und Geschenkladen. Auf Andos See kauert eine gigantische Spinne: „Crouching Spider“ von Louise Bourgeois, eine bedeutende Bildhauerin und Künstlerin des 20. Jahrhunderts. Sie gestaltete die Bronzeskulptur 2003. 2010, in ihrem Todesjahr, wurde sie auf Château La Coste installiert.

Auf 200 Hektar zwischen Wein, Zypressen, Pinien, Eichen und Olivenbäumen befinden sich mittlerweile mehr als vierzig Bau- und Kunstwerke von Tadao Ando, Jean Nouvel, Frank Gehry, Renzo Piano, Bob Dylan, Ai Weiwei und, und, und. Für den Art Walk, der nicht nur mit dem Blick auf Kunst fasziniert, sondern auch mit dem auf die Landschaft, sind mindestens zwei Stunden einzuplanen. Jeder auf Château La Coste eingeladene Künstler kreiert seine eigene Idee und wählt den Platz aus, auf dem das Werk die Gesamtinstallation des Weinguts bereichern soll. Der Philosophie des Art Centers „nichts ist in Stein gemeißelt“ folgend, ist die Transformation von Château La Coste noch lange nicht beendet.

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