Das Tor zum Château de Rochegude.

Eine Nacht im uralten Gemäuer von Château de Rochegude

22. Januar 2022 | 0 Kommentare

Unweit der Autoroute du Soleil bei Bollène laden ein romantisches Dorf und ein mittelalterliches Schloss zu einem Stopp auf dem Weg nach Süden ein. Großartige Stein-Architektur, fürstliche Zimmer und Kulinarik erwarten den Gast.

Feinfühlig streift der Wind durch den Innenhof von Château de Rochegude und versetzt ein paar Kübelpflanzen in Schwingung. Oben auf dem nicht mehr vollständig erhaltenen Turm zankt sich ein Vogelpärchen unter der späten Nachmittagssonne. Aus einer Mauerritze steckt neugierig ein kleiner Gecko seinen Kopf hervor und ist schneller verschwunden als er aufgetaucht war. Unter den Schuhen des jungen Kellners knirscht der Kies. Mit einer eleganten Bewegung stellt er uns zwei Apéritif sowie ein Schälchen mit den köstlichen schwarzen Oliven aus Nyons auf den kleinen Metalltisch und wünscht einen schönen Nachmittag. Wir sagen „Santé“ und genießen die Stille, die, nachdem auch das Vogelpärchen Ruhe gibt, nur noch durch das leise Pfeifen des Windes gestört wird.

Der romantische Innenhof des Restaurants.

Rund 1000 Autobahn-Kilometer liegen hinter uns. Knapp zehn Stunden Fahrzeit vom Ruhrgebiet aus, wo es am frühen Morgen noch kalt war und heftig geregnet hat. Jetzt umschmeichelt uns die provenzalische Sonne bei gut 25 Grad Celsius. Einmal mehr haben wir uns entschieden, hier in Rochegude einen Zwischenstopp auf dem Weg ans Meer einzulegen, um den Geist längst vergangener Zeiten zu spüren. Das Schloss, einstmals eine trutzige Festung aus dem 12. Jahrhundert, ist heute ein nobles Hotel mit viel Komfort. Wer hier nächtigt, den erwartet eine großartige Stein-Architektur und Zimmer, die je nach Kategorie in fürstlich bis königlichem Ambiente und Dekor ausgestattet sind. Bevor die Gäste ihre Räume beziehen, erhalten sie vom Portier eine kleine Schlossführung.

Lückenhafte Geschichte

Die Geschichte des Château de Rochegude ist eher lückenhaft. Literatur gibt es kaum. Die ältesten Teile stammen wahrscheinlich aus dem 11. Jahrhundert. Während der Religionskriege im 16. Jahrhundert gab es erhebliche Zerstörungen. Im 17. Jahrhundert gelangte es in den Besitz des Marquis de Rochegude, der das Schloss in seine heutige Form umbauen ließ und als Sommerresidenz nutzte. Vor Inbetriebnahme als Hotel wurde es komplett restauriert, ohne dass dabei sein ursprünglicher Charakter verloren ging. Davon zeugen zum Beispiel Freitreppen mit ausgetretenen Stufen, Stein- und Fliesenböden. Eine Steinbrücke führt über eine Dorfstraße in einen kleinen Wald, in dem sich Rehe tummeln und ein großer Swimmingpool zum entspannen einlädt. Am Abend serviert das Gourmetrestaurant – im Sommer in einem schönen Innenhof mit Olivenbäumen – bei Kerzenschein köstliche südfranzösische Menüs begleitet von ausgezeichneten Weinen. Die Küche ist dem Guide Michelin seit Jahren eine Erwähnung wert.

Das Atomkraftwerk Tricastin als Wegweiser

Das Château de Rochegude liegt nur einen Katzensprung östlich der Rhône und der Autobahn 7, der Autoroute du Soleil. Ab Donzère unterliegt der Reisende häufig dem Irrtum, zu seiner rechten von der Rhône begleitet zu werden. Die aber macht einen Bogen nach Westen und taucht erst südlich von Bollène wieder neben der Autobahn auf. Der Wasserlauf, der uns zwischen Donzére und Bolléne, wo wir von der Autobahn abfahren, begleitet, ist der Canal de Donzère-Mondragon, gespeist vom Rhône-Wasser. Kurz hinter dem mittelalterlichen Felsendorf Saint-Paul-Trois-Châteaux taucht rechts der Autobahn die Centrale nucléaire du Tricastin des französischen Energieversorgers EdF auf. Die vier Reaktoren des Atomkraftwerkes werden vom Wasser aus dem Rhône-Seitenkanal gekühlt.

Vergangenheit und Gegenwart gehen in Frankreich oft eine enge Beziehung ein. So wie hier im Département Drôme, wo nur rund zehn Kilometer östlich des Atommeilers ein romantisches Dorf mit weniger als 1700 Einwohnern und ein traumhaftes Schloss auf seine Gäste warten und sie mit herzlicher Gastfreundschaft empfangen.

Es gibt Orte, die gerne als Geheimtipp bezeichnet werden. Nun: Geheim sind sie tatsächlich nicht. Doch sie liegen abseits und versteckt. Hat der Reisende einen solchen Ort entdeckt, wird die schöne Überraschung schnell in ein angenehmes Wohlbefinden überfließen. Ein solch schöner versteckter Ort – un bel endroite caché – ist das Château de Rochegude mitten im gleichnamigen Dorf.

Oliven, Trüffel und Wein von Weltruf

Die nördliche Provence bei Rochegude zeichnet sich durch ein recht mildes Klima aus. So wachsen hier bereits Olivenbäume, die Früchte von ganz besonderer Qualität hervorbringen. Die Oliven und das Öl von Nyons genießen unter Feinschmeckern Weltruf. Ebenso hochwertig und berühmt sind die schwarzen Trüffel. Die knapp 600-Seelen-Gemeinde Richerenches gilt als Trüffel-Hauptstadt, der Marché aux truffes ist legendär. Wein wird hier im Grenzbereich der Départements Drôme und Vaucluse auch angebaut. Bis zum weltbekannten Anbaugebiet Châteauneuf-du-Pape sind es nur wenige Kilometer.

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