Kunstgenuss auf spektakuläre Art: Carrières de Lumières. Foto: Culturespace, Eric Spiller

Die Steinbrüche der Lichter – Carrières de Lumières

14. Mai 2021 | 0 Kommentare

Am Fuße des Felsendorfes Les Baux-de-Provence im Val d'Enfer, dem Tal der Hölle, liegt eine der eindrucksvollsten Kulturstätten der Welt. Die Carrières de Lumières sind einzigartig und auch für weniger kunstinteressierte Reisende ein nachhaltiges Erlebnis.

Von Saint-Rémy-de-Provence kommend windet sich die D27 in breiten, aber nicht ungefährlichen Kurven hinauf nach Les Baux-de-Provence. Wir fahren bis auf die Passhöhe, in engen Serpentinen wieder ein Stück hinunter und parken an der D78. Dort gibt es zahlreiche gebührenpflichtige Parkplätze, die allerdings stark frequentiert sind. Wir spazieren unterhalb der Burg von Les Baux zu den Carrières de Lumières. Über uns ragen die mächtigen Felswände der Alpilles auf. Überall grünt und blüht es zwischen dem silbern glitzernden grau-weißen Gestein. Die Cigales singen in der flirrenden Sommerhitze unaufhörlich ihr Lied.

Fast unscheinbar ist der Eingang zu den Steinbrüchen der Lichter in den Fels gehauen. Meterhoch türmt sich senkrecht Kalkgestein vor uns auf und wirkt fast bedrohlich, so als wolle es jeden Moment auf uns hinabstürzen. Was uns wenig später im Innern des Berges erwartet ist unvergleichlich und überwältigend.

1977 entdeckte der tschechische Szenograf Josef Svoboda (1920-2002) die gigantische Höhle des Berges als Raum für Kunstinstallationen und gestaltete die ersten Lichtschauen. Die Aufführungen wurden im Laufe der Jahre immer aufwendiger und technisch perfekter. Seit 2012 finden in den Carrières de Lumières jährlich wechselnde unterirdische Multimedia-Schauen statt. Auf 7000 Quadratmeter Fläche an bis zu 16 Meter hohen Wänden und Säulen, auf Decken und dem Boden werden die Werke großer Meister der Kunstgeschichte von 100 Projektoren in einzigartigen Spektakeln in Szene gesetzt. Aus 74 Lautsprechern erklingt dazu die Musik. Ein ungewöhnlicher Kunstgenuss auf höchstem Niveau.

Projektionen auf bis zu 16 Meter hohen Wänden. Foto: Culturespace, Eric Spiller

Cézanne, Meister der Provence

In „Cézanne, Meister der Provence“ bringt Gianfranco Iannuzzi in diesem Jahr die signifikantesten Werke des französischen Malers quasi als lebende Objekte auf die Felswände. Natur, Provence und der Berg Sainte-Victoire in der Nähe von Aix-en-Provence, wo Cézanne 1839 geboren wurde und 1906 starb, sind die Themen, die Iannuzzi gewählt hat. „Die Vorstellung nimmt den Besucher mit auf eine Reise in das Herz der bekanntesten Werke des Künstlers“, heißt es in der Ankündigung der Schau 2021. Die künstlerische Umsetzung der Gemälde von Paul Cézanne in eine Videoinstallation hebt die Verbindung zur Natur sowie das großartige Licht- und Farbenspiel des großen Meister hervor. Begleitet wird der Kunstgenuss für das Auge mit Musik von u.a. Schubert und Chopin. Auch Jazz und Blues vertiefen das visuelle Erlebnis.

Paul Cézanne.
Foto: akg-images, Universal History Archive

Cézanne malte mehr als 900 Ölbilder: Stillleben, Landschaften, Porträts (auch sich selbst) und historische Szenen. Sein Gesamtwerk wird unterschiedlichen Stilrichtungen zugeordnet.

Das diesjährige Kurzprogramm in den Carrières de Lumières ist dem russischen Maler und Poeten Wassily Kandinsky (1866-1944) gewidmet. Der Betrachter kann den „inneren Kosmos Kandinskys entdecken“. www.carrieres-lumieres.com

Bis 1935 wurde Kalkstein abgebaut

Der weiße Kalkstein, Bauxit – daher auch der Name des Ortes Les Baux – wurde ab 1800 im Tal der Hölle abgebrochen. Er diente vor allem als Baumaterial. Der mineralische Stein enthält zudem eine Aluminiumverbindung. Durch Elektrolyse wurde das reine Aluminium gewonnen. Im Zuge der Globalisierung und des Einsatzes von Stahl und Beton für den Häuserbau wurde der Steinbruch unrentabel und 1935 geschlossen.

Erst im Herbst 1959 erwachte der Steinbruch, der carrière, wieder zum Leben. Der französische Filmregisseur, Schriftsteller und Maler Jean Cocteau (1889-1963) drehte den experimentellen und avantgardistischen Kinofilm „Testament d’orphée“. Cocteau spielte selbst die Hauptrolle. Der Film ist im Cinéma des Steinbruchs zu sehen.

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