Der Blick auf Châteauneuf-du-Pape und die Rhône von der Ruine der päpstlichen Sommerresidenz.

Der Wein der Päpste

3. April 2021 | 1 Kommentar

Ob Châteauneuf-du-Pape auch ohne die Exilpäpste eine weltberühmte Weinbauregion wäre? Die Oberhäupter der katholischen Kirche legten im 14. Jahrhundert auf jeden Fall einen Grundstein für den Erfolg dieser exzellenten Tropfen aus dem Anbaugebiet Côtes du Rhône zwischen Vienne und Avignon.

Châteauneuf-du-Pape ist mehr wert als einen kurzen Besuch. Der kleine historische Ort mit nur rund 2200 Einwohnern, ein paar Kilometer nördlich von Avignon auf der linken Seite der Rhône gelegen, zählt zur ältesten Weinanbauregion Frankreichs. Hier erfährt und erlebt der Reisende Geschichte und Tradition: bei einem Spaziergang durch Weinfelder, einem Besuch eines Weingutes und dem Genuss eines edlen Tropfens in einem der Weinkeller oder einem Bistro auf dem Dorfplatz. Ohne Wein geht hier gar nichts.

Papst Clemens V. startete die Qualitätsoffensive

Schon die Römer bauten vor 2000 Jahren an den Ufern der südlichen Rhône Wein an. Doch waren es die Exilpäpste, die im 14. Jahrhundert Avignon zu ihrem Sitz ernannten und Rom den Rücken kehrten, die den Weltruhm des kleinen und beschaulichen Ortes begründeten. Einerseits, weil Papst Johannes XXII. (1316-1334) dort einen eigenen Weinberg anlegen ließ und 1318 den Bau der Sommerresidenz veranlasste. Andererseits, weil sein Vorgänger Clemens V. (1305 gewählt), der seit 1309 in Avignon residierte, ein großer Weinliebhaber war – allerdings von Gewächsen aus dem Burgund. Die zu jener Zeit eher einfachen Rhône-Weine überzeugten den Kirchenfürsten weniger. Deshalb startete er eine Qualitätsoffensive, wie es heute heißt. Mit Erfolg: Die „Vin du Pape“ gewannen rasch zunehmende Beachtung.

Knorrige Reben und Kieselsteine aus der Eiszeit

Nun wollen wir uns nicht zu sehr mit der Vergangenheit beschäftigen, sondern den Tag im sonnigen Châteauneuf-du-Pape genießen. In gemütlichem Tempo führt die Fahrt über die kleinen Départementstraßen quasi mitten durch die Weinfelder, vorbei an herrschaftlichen Domänen und dem Château des Fines Roches mit seinen trutzigen Ecktürmen (Hotel und Restaurant). Drei Farben beherrschen die Szene: das Blau des Himmels, das Grün der Reben und das Rötlich-Braun des Lehmbodens mit seinen unzähligen runden Kieselsteinen aus der Eiszeit. Dazwischen die schmalen Asphaltbänder. Anhalten und aussteigen ist oberstes Gebot: schauen und dem Wind lauschen, der sacht über die Rebflächen weht und das Weinlaub leicht erzittern lässt. Hier gibt es keine Lärmverschmutzung. Außer: Es donnert gerade mal ein Düsenjet des französischen Militärs über uns hinweg. Der Stützpunkt Orange ist ganz in der Nähe.

Das Terroir: sandiger Lehmboden und Kieselsteine aus der Eiszeit.

Die knorrigen Reben gedeihen auf dem sandigen Lehmboden und bei durchschnittlich 2800 Sonnenstunden im Jahr ausgezeichnet. Die großen Kiesel nehmen während des Tages die Hitze auf, speichern sie und geben sie in den kühlen Nächten wieder ab. So bleibt der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht für die Weinstöcke relativ gering. Ein weiterer wohlgesonnener Wegbegleiter des Reifeprozesses der Trauben ist der Mistral. Der kalte Wind aus dem Norden pustet Schädlinge davon und trocknet die Trauben nach Regenfällen. Dennoch: Der Klimawandel bereitet auch hier Sorgen. Besonders die hauptsächlich angebaute Grenache-Traube mag die steigenden Celsius-Grade nicht.

Die Sommerresidenz der Päpste von Avignon

Weit sichtbar ist das Wahrzeichen von Chateauneuf-du-Pape aus dem 14. Jahrhundert: die Ruine der Sommerresidenz der Päpste von Avignon. Während der Religionskriege im 16. Jahrhundert wurde sie zerstört, noch einmal restauriert, und im 18. Jahrhundert dem Verfall überlassen. Ein Spaziergang durch das historische Gemäuer lohnt sich allemal. Ebenso die Einkehr ins Restaurant „Le Verger des Papes“ in den alten Festungsmauern. Der Panoramablick von der Terrasse aus über die Weinfelder ist einfach großartig. Ein Bummel durch das schmucke Dorf mit seinen vielen kleinen Weinbars – zumeist in kühlen Kellern, in denen die Winzer ihre Produkte zur Verkostung anbieten, ist ebenfalls ein must-do. Die edlen Tropfen können natürlich auch direkt auf einer Domaine probiert werden.

Die Ruine der Sommerresidenz der Päpste von Avignon.

Die päpstlichen Insignien

Die Flaschen, in denen die hochklassigen Weine aus Châteauneuf-du-Pape abgefüllt werden, sind unverkennbar und einzigartig auf der Welt. Sie tragen unterhalb des Flaschenhalses die päpstlichen Insignien: die gekreuzten Schlüssel Petri und die Tiara. Seit 1937 ist dieses eingebrannte Emblem das geschützte Markenzeichen für Weine aus Châteauneuf-du-Pape. Bei der Gestaltung des Symbols dürfen die Weingüter kreativ sein. Fehlen die Insignien und steht auf dem Etikett dennoch Châteauneuf-du-Pape, dann können Sie sicher sein, dass der Wein eine Fälschung ist.

Dreizehn Rebsorten für die AOC-Weine

  • Mit 79.000 Hektar Anbaufläche und einem Ertrag von 3.500.000 Hektolitern pro Jahr ist die Weinregion Côtes du Rhône die drittgrößte in Frankreich – mit großem Abstand hinter Languedoc-Roussilion (246.000 ha/12.000.000 hl) und Bordeaux (118.000/6.000.000). In der Region Côtes du Rhône werden insgesamt 32 Rebsorten angebaut. 21 davon sind für Appellationsweine zugelassen, dreizehn für den Châteauneuf-du-Pape.
  • Vom Châteauneuf-du-Pape werden jährlich rund 100.000 Hektoliter produziert. Davon entfallen lediglich sieben Prozent auf den bei vielen Weintrinkern noch unbekannten weißen Châteauneuf-du-Pape. Der Alkoholgehalt muss mindestens 12,5 Prozent betragen. Die Anbaufläche erstreckt sich auf 3.200 Hektar und umfasst die Kommunen Bédarrides, Châteauneuf-du-Pape, Courthézon, Sorgues und Orange. Mehr als 35 Hektoliter Wein pro Hektar dürfen per Gesetz nicht gekeltert werden. Die Lese muss per Hand und nach Trauben sortiert erfolgen.
  • Zugelassene Rebsorten für die AOC-Weine (Appellation d’Origine Controllée) sind: Grenache, Syrah, Mourvède, Cinsault, Muscardin, Counoise, Vaccarèse, Picpoul, Terret Noir, Clairette, Bourboulenc, Roussanne und Picarda.
  • Der Châteauneuf-du-Pape wird hauptsächlich auf privaten Weingütern hergestellt. Lediglich zehn Prozent entfallen auf die genossenschaftliche Produktion. Die gesetzlichen Auflagen für Anbau und Ertrag sind extrem hoch, um die Qualität zu sichern.

Buch-Tipp:

„Am falschen Ufer der Rhône“ ist ein lesenswerter Kriminalroman von Paul Grote, Deutschlands wohl bekanntester und meistgelesener Autor von Wein-Krimis. Als Auslandsreporter entdeckte der Berliner bei Aufenthalten in Argentinien und Chile das Interesse am Wein. Paul Grote kennt alle wichtigen europäischen Weinbaugebiete und verfasst spannende Krimis, bei denen der Wein im Mittelpunkt steht. Der Leser ist nicht nur Zeuge verwickelter krimineller Machenschaften, sondern lernt auch eine Menge über Wein, Anbau und Vermarktung. Die Kulisse für „Am falschen Ufer der Rhône“ ist das weltberühmte Châteauneuf-du-Pape. A votre santé!

Die Krimis von Paul Grote erscheinen im dtv-Verlag.

1 Kommentar

  1. Eine mitreißende Beschreibung der Region und des dortigen Weinbaus.Mich packt sofortiges Fernweh und die Neugier , diese wunderbare Gegend zu erkunden.

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.