Matthias Wimmer kontrolliert den Zustand der Trauben und ist zufrieden.

Auf der Domaine d’Eole wird seit Jahrzehnten die kostbare Natur geschützt

10. Juli 2021 | 0 Kommentare

Auch beim Weinbau macht sich der Klimawandel bemerkbar und stellt die Winzer vor neue Herausforderungen. Der Chef-Önologe auf dem Weingut in Eygalières, Matthias Wimmer, setzt dabei weiterhin auf rein biologischen Anbau. Ein Gewinn für den Erzeuger, die Konsumenten und die Umwelt.

Die Sonne strahlt vom ewigen Blau des provenzalischen Himmels hinab auf die Rebflächen der Domaine d’Eole. Die Bergkette der Alpilles schimmert silbern. Das Thermometer zeigt am frühen Mittag bereits 35 Grad Celsius an. Der heute kaum spürbare Wind lässt die Blätter an den Weinstöcken ganz leicht erzittern. Die ersten Trauben wachsen und reifen geschützt unter dem Weinlaub. Im duftenden Lavendel am Wegesrand tummeln sich Bienen, bunte Schmetterlinge und eine Vielzahl anderer Insekten. Hier und da zwitschert ein Vogel, aber sonst ist es still.

Wir genießen diese einzigartige Atmosphäre auf der Domaine d’Eole und kommen immer wieder gern hierher. Chef-Önologe Matthias Wimmer, geboren in Essen mitten im Ruhrgebiet, weiß wie dieses Stückchen Erde auf seine Gäste wirkt. „Es ist eine kleines Paradies, ein traumhafter Fleck auf dieser Erde“, sagt er. Dass es bewahrt werden muss, steht für ihn außer Frage.

Wein mit unverwechselbarem Charakter

Vor mehr als 30 Jahren zog es ihn und seine Frau Marion Schwarz, die in Eygalières ausgezeichnetes Olivenöl erzeugt, in den Midi. Längst können sie sich ein Leben in der alten Heimat nicht mehr vorstellen. Auch, wenn beide in zwei oder drei Jahren in den Ruhestand gehen. Marion wird sich weiter um die Oliven kümmern, und Matthias, der mit ein paar Prozent am Weingut beteiligt ist, wird wohl nie so ganz loslassen können.

1993 wurde die Domaine d’Eole geschaffen. Und von Beginn an lautete die Maxime: das Land und die Umwelt schützen, und dem Terroir erlauben, sich so zu entfalten, dass es eine Individualität entwickelt, die dem Wein einen unverwechselbaren Charakter verleiht. „Am Anfang haben wir konventionell und biologisch angebaut. Nach einem vorgegebenen Zeitraum muss man sich dann für eine Methode entscheiden. Für mich war klar, dass hier nur bio Sinn macht“, sagt der Önologe. Boden und Klima bieten gute Voraussetzungen. Zudem gibt es genug Wasser, das von den Alpilles und aus der Durance kommt und durch das spezielle Kanalsystem auf landwirtschaftliche Flächen geleitet wird. „Jetzt, wo die Sommer zunehmend trockener und heißer werden, müssen wir bewässern“, so Matthias Wimmer. Die Bewässerung von Weinfeldern unterliegt in der EU allerdings sehr strengen Regeln. Es bedarf einer Genehmigung und wird in Frankreich besonders streng kontrolliert.

Bio-Wein ist meistens besser

Doch was macht eigentlich den biologischen Anbau aus? Wimmer: „Die Grundregel lautet: Es dürfen nur Substanzen zum Schutz und zur Düngung der Pflanzen und des Bodens verwendet werden, die in der Natur vorkommen. Also chemisch-synthetische Mittel sind verboten. Nur Schwefel und Kupfer zur Bekämpfung von Pilzerkrankungen sind in geringen Mengen erlaubt.“ Dass biologische Produkte vom Regen abgewaschen und erneut gespritzt werden müssen, ist für ihn kein Nachteil, auch wenn sich dadurch die Arbeit auf der Domaine deutlich erhöht. „Die chemischen Mittel basieren auf Erdöl. Sie sind effizient gegen Krankheiten, gelangen aber in die Pflanze und damit in die Traube und in den Wein“, erklärt der Winzer. Ups! Das wollen wir doch nicht trinken. „Bio-Wein ist meistens besser.“

Matthias Wimmer im Gespräch mit der Autorin Sylvia Lukassen.

Viel Handarbeit und stete Kontrolle

Der naturbelassene Anbau fordert sehr viel Handarbeit und eine ständige Beobachtung der Reben. Wimmer: „Hinzu kommen die immer unkalkulierbareren klimatischen Bedingungen. Neben den heißen und trockenen Sommern, hatten wir es in den vergangenen zwei Jahren auch mit spätem Frost zu tun, der erste Blüten erfrieren ließ. In diesem Jahr haben wir allein 1500 junge Pflanzen verloren. Durch die zweite Blüte im April/Mai haben wir Trauben mit unterschiedlichen Reifegraden am Stock.“

Heißt: Der Zeitpunkt der Lese, die immer früher stattfindet, ist schwieriger zu bestimmen. Die Arbeitsphasen zwischen dem Schnitt der Stöcke und der Ernte der Trauen wird immer kürzen. „Wir müssen uns neu organisieren. Haben wir bisher im Dezember geschnitten, werden wir dies künftig im Februar tun“, skizziert Matthias Wimmer eine weitere Herausforderung: die Personalplanung. „Es wird sportlich werden.“

Wohl war: Von 17 auf 37 Hektar ist die Domaine d’Eole mittlerweile angewachsen. 120.000 Flaschen, größtenteils Rosé, werden jährlich abgefüllt. Für 2021 sieht Matthias Wimmer Potenzial für weitere 120.000 Flaschen. „Wenn alles gut geht.

www.domainedeole.com

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