Die Provence: zauberhafte Landschaften, bizarre Steilküstenküsten, traumhafte Badebuchten, pittoreske Dörfer, mondäne Städte, Kulinarik und ganz viel Kultur. Eine Reise an die Côte d’Azur und in ihr wunderschönes Hinterland kann immer auch ein kulturelles Erlebnis werden. Zahlreiche große und kleine Museen, geschichtsträchtige Gebäude, Häuser berühmter Maler und Dichter, moderne Bauwerke wie das Mucem – Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeerraums – in Marseille oder der Campus Luma Arles mit dem futuristischen Turm von Frank Gehry wecken das Interesse der Reisenden. Besonders hoch im Kurs stehen die Ausstellungen von Bildern, Gemälden und Zeichnungen von Künstlern, die wegen des außergewöhnlichen Lichts die Provence zu ihrer Heimat gemacht haben.
Carrières des Lumières: Picassos Werk in Bewegung
Einer von ihnen ist Pablo Picasso. 1881 in Málaga, Spanien, geboren und 1973 im kleinen Dorf Mougins oberhalb von Cannes gestorben, lebte und arbeitete der Maler, Grafiker und Bildhauer von 1945 an im Süden Frankreichs. Die Carrières des Lumières in Les Baux-de-Provence laden in diesem Jahr dazu ein, in der digitalen Kunstausstellung Picasso, Art in Motion „in das Herzstück Picassos Werk einzutauchen“. Der Künstler offenbart sich in einer monumentalen Reise, auf der sich Bilder, Farben und Musik an den Kalksteinwänden entfalten und die ganze Kraft und Freiheit seines Schaffens zum Ausdruck bringen, heißt es in der Ankündigung. Culturespaces, ein französisches Unternehmen, das weltweit digitale Kunstausstellungen an besonderen Orten produziert, hat mit Genehmigung der Picasso Administration aus mehr als 450 Abbildungen von Werken, Archivfotos und Videos alle Facetten der Kreativität Picassos in einer 40 minütigen Schau zum Leben erweckt.

Wie immer gibt es in den Carrières des Lumières auch ein Kurzprogramm. Frida Kahlo – at the very heart lädt Besucher ein, „die Intimität und kreative Kraft der mexikanischen Künstlerin (1907-1954) in einer Explosion von Farben, Symbolen und Emotionen zu erleben“. Frida Kahlo traf Pablo Picasso in Paris. Beide Künstler bewunderten gegenseitig ihr Talent.
Aix-en-Provence: Das Leben von Paul Cézanne
Der Maler Paul Cézanne (1839-1906) musste die Schönheit und das Licht der Provence nicht erst entdecken. Geboren und gestorben in Aix-en-Provence, verbrachte er dort sein ganzes Leben. Der deutlich jüngere Picasso verehrte das Werk Cézannes, nannte ihn den „einzigen Meister“ und „Vater von uns allen“. Der Spanier hatte die Bilder von Cézanne im Pariser Herbstsalon 1907 erstmals gesehen, befasste sich intensiv damit und war schlussendlich von der Malerei des Provenzalen beeinflusst. Von Les Baux-de-Provence sind es nur rund 70 Kilometer nach Aix, eine der schönsten Städte Frankreichs. Nach dem großartigen und international gelobten Cézanne-Jahr 2025, für das Aix mehr als hundert Bilder, Gemälde und Zeichnungen seines berühmten Sohnes aus aller Welt ausgeliehen und im Musée Granet ausgestellt hatte, ist es nach wie vor lohnenswert den Lebensweg Cézannes zu folgen. Der Familiensitz, Bastide du Jas de Bouffan, und die Werkstatt, Atelier des Lauves, sind von Mitte Juni bis 1. November wieder für das Publikum geöffnet. Aufwändig und liebevoll restauriert gewähren sie einen intimen Einblick in die Privatsphäre des großen Meisters. Im Jas du Bouffan wurden während der Renovierungsarbeiten Wandmalereien des jungen Cézanne entdeckt, die jetzt freigelegt werden.


Nicht nur in der Altstadt von Aix kann der Reisende den Spuren Cézannes nachgehen. Besonders schön, wenn auch anstrengend, ist ein Spaziergang durch die Carrières de Bibémus. Der Steinbruch mit einzigartigen Perspektiven, Licht und Farben liegt im Naturschutzgebiet unterhalb der Montagne Sainte-Victoire, Cézannes Lieblingsmotiv. Dort befindet sich auch ein kleines Haus, in dem der Maler seine Utensilien untergebracht hatte. Der Steinbruch kann nur mit einer Führung besucht werden (Anmeldungen beim Tourismusbüro).
Das Musée Mistral: Ehre für den großen Provenzalen

Nur wenige Kilometer nordwestlich von Saint-Rémy-de-Provence liegt die kleine Gemeinde Maillane. Unspektakulär und in der sommerlichen Mittagshitze verschlafen, steht sie nicht unbedingt auf dem Reiseplan von Touristen. Ein Fehler. Denn das 2800-Einwohner-Dorf war Heimat des größten Provenzalen Frédéric Mistral (1830-1914), Dichter und Literatur-Nobelpreiträger 1904. Das Haus an der Ecke Avenue Lamartine und Route de Saint-Rémy, das er für seine Frau und sich bauen ließ und der Gemeinde Maillane vermachte, beherbergt das kleine Museé Mistral. Kürzlich ist es nach umfassender Renovierung wieder eröffnet worden. In dem Haus, das von einem wunderschönen mediterranen Garten umgeben ist, erfährt der Provence-Reisende nicht nur Interessantes über den Literaten selbst, sondern auch über die Provence und ihre Sprache, in der Mistral seine Werke schrieb. Er trat mit einigen Mitstreitern für den Erhalt des Provenzalischen ein, wollte eine geistige und kulturelle Unabhängigkeit dieser Region vom übrigen Frankreich. Dies gelang nicht. Das Musée ist ein kulturelles Kleinod. Lohnenswert.


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