Majestätisch thront Gordes auf dem Berg. Foto: OTLCDP/kos-creA

Gordes – das Sinnbild für die Provence

1. Juni 2022 | 0 Kommentare

Das Bergdorf im Luberon ist wie kein anderer Ort Symbol für die Provence. Kaum ein Südfrankreich-Kalender, kaum ein Reiseführer kommen ohne ein Foto von diesem romantischen Fleckchen aus.Touristen finden in Gordes die Ursprünglichkeit des Midi, kulinarischen Genuss und traumhafte Sonnenuntergänge.

Der Himmel ist so blau wie nur in der Provence. Der Wind weht kräftig. Die Temperatur, jetzt am frühen Abend an einem schönen Sommertag, ist leicht kühl. Wir spazieren die Rue de la Combe hinauf. Die Straße Richtung Dorfmitte steigt steil an. Wir bleiben nicht nur stehen, weil wir eine Verschnaufpause brauchen, sondern vielmehr wegen des faszinierenden Blicks auf den Luberon: atemberaubend und einzigartig. Besonders jetzt um diese Tageszeit. Das intensive Blau des Himmels scheint mit dem Gold, das die untergehende Sonne auf die Gebirgskette zaubert, im Wettstreit um die höchste Strahlkraft zu stehen. Doch das scheint nur so. Denn Blau und Gold gehen eine Beziehung ein, ohne sich dabei zu berühren. Die Linie zwischen dem Kamm des Luberon und dem Horizont ist messerscharf. Unten im Tal, Gordes liegt maximal 635 Meter hoch, Obstplantagen und Weinfelder. Eichen und Zedern schwanken leicht im Wind, der den zarten Duft des Sommers verteilt.

Einige Meter weiter beginnt die Häuserzeile und verdeckt die Aussicht. Die Straße liegt jetzt im Schatten. Unser Ziel ist die Bastide de Gordes, ein Fünf-Sterne-Luxushotel mit Spa und Pool, das den Charme des alten Frankreichs dennoch bewahrt. Auf der Terrasse der Hotelbar wieder der unvergleichliche Panoramablick auf den Luberon. Auch wenn Rosé und Pastis nicht gerade preiswert sind, ihren Preis sind sie allemal wert – allein wegen der großartigen Location. Sitzen, genießen und ein wenig träumen: C’est la Provence!

Die Flucht vor dem Mistral

Das Abendessen wollen wir in einem der vielen kleinen Restaurants im Dorfkern einnehmen: draußen natürlich. Daraus aber wird heute nichts. Inzwischen hat der Wind stark zugelegt, und wir ahnen nichts Gutes: Mistral. Da ist er, der provenzalische Wind, der das Tal der Rhône hinunter fegt. Unvermittelt bläht er sich zu fulminanter Stärke auf und meint, alles, was sich ihm in den Weg stellt, wegräumen zu müssen. Auf den kleinen Straßen und in den Gassen wird der Staub des Tages aufgewirbelt. Pflanzen in Blumenkübeln verlieren ihr Gleichgewicht. Die hübsch gedeckten Tische auf den Terrassen der Restaurants geraten ins Wanken. Kellner versuchen, Gläser vor dem Absturz und Zerschellen zu retten. Dennoch gibt es Scherben. Wir kämpfen gegen den pfeifenden Wind an, erreichen den Eingang des Restaurants L’Artégal am Place du Chateâu gegenüber der Fontaine de la Place Genty Pantaly. Durchatmen. Wir haben Glück, ergattern den letzten freien Tisch. Gerettet! Der Kellner hängt das blecherne Schild mit der Aufschrift „complet“ an die Tür. Nach wenigen Sekunden fällt es scheppernd zu Boden.

Während der Mistral tobt und wild an bunten Fensterläden zerrt, genießen wir ein köstliches mediterranes Essen. Draußen wirbelt alles, was nicht niet- und nagelfest ist, durcheinander. Menschen versuchen, Unterschlupf zu finden. Restaurants sind überfüllt. Und alle hoffen, dass „Monsieur Mistral“ in der Nacht das Weite sucht.

Romantische Wege. Foto: OTLCDP/kos-crea

Steile Gassen und großartige Perspektiven

Am nächsten Morgen strahlt die Sonne wieder. Der blaue Himmel ist blank geputzt, die Sicht unendlich weit. Nicht einmal ein laues Lüftchen weht. Beim Spaziergang durch die teils stufigen und steilen Gassen eröffnen sich immer wieder großartige Perspektiven. Über die Rue André L’hote geht es weiter auf die Route Neuve. Überall bieten sich Standpunkte für schöne Erinnerungsfotos. In den kleinen Lädchen werden provenzalisches Handwerk wie traditionelle Stoffe und die berühmten Krippenfiguren, die Santons, sowie Köstlichkeiten aus der Region, Düfte und Marseiller Seifen verkauft. Längst haben sich Galeristen und Immobilienmakler etabliert. Auf dem Place Genty Pantaly mit dem Brunnen von 1324, der einst einzige Wasserstelle des Dorfes war, geht es lebhaft zu. Wir befinden uns hier auf dem südlichen Vorplatz der Burg, deren Geschichte bis ins 11. Jahrhundert zurück reicht. Im Innern sind zahlreiche Kamine erhalten, der älteste stammt aus dem Jahr 1541.

Gleich neben dem Brunnen befindet sich das Restaurant Le Renaissance. Wer den Spielfilm aus 2006 „Ein gutes Jahr“ nach dem Roman „Ein guter Jahrgang“ von Peter Mayle gesehen hat, wird sich erinnern. Er wird auch den Kreisverkehr im Dorfkern wiedererkennen und sich wie mitten im Film fühlen. Diese romantische Komödie wurde u.a. in Gordes gedreht, erhielt von der Deutschen Film- und Medienbewertung das Prädikat wertvoll und macht Lust auf die Provence. Ganz sicher!

Les Bories

In unmittelbarer Nähe von Gordes liegt das Village des Bories. Das seit 1977 unter Denkmalschutz stehende Dorf aus provenzalischen Trockenstein-Rundbauten ist ein Freilichtmuseum. Diese Steinhäuschen gibt es nur im Südosten Frankreichs, und sie stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Sie dienten den Bauern, die außerhalb der Dörfer Flächen bewirtschafteten, als Schutzhütten. Ihr Grundriss ist in der Regel rund, hat einen Durchmesser von zwei bis drei Metern und bot zwei bis vier Personen Unterschlupf. Die Hütten wurden auch als Stallungen oder als Lager für Stroh und Heu genutzt.

Gordes – in den Fels gemeißelt. Foto: OTLCDP

Eines der schönsten Dörfer Frankreichs

Gordes zählt nur rund 1700 Einwohner und gehört zu den meist besuchten Dörfern der Provence. Deshalb ist es hier im Hochsommer auch sehr überlaufen. Die Suche nach einem Parkplatz kann zur Qual werden. Der Ort ist ausgezeichnet als eines der schönsten Dörfer Frankreichs. Rund um Gordes werden Wein, Obst, Oliven und Lavendel angebaut. Die Gemeinde selbst lebt vom Tourismus. Während des Zweiten Weltkriegs lebte der Maler Marc Chagall hier. Bis zum Mittelmeer nach Marseille sind es weniger als 100 Kilometer.

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