Sanary-sur-Mer an der Côte d'Azur: beschaulich im Frühling.

Frühlingserwachen an der Côte d’Azur

2. Februar 2026 | 0 Kommentare

Mimosen und Veilchen treiben den Winter aus. Beim Blumen-Karneval in Nizza und dem Zitronenfest in Menton, wo nun die ersten frischen Früchte des Jahres geerntet werden, feiern hunderttausende Menschen den Beginn der warmen Jahreszeit.

Jetzt, im Februar, während es bei uns noch zumeist trist und grau ist, Schal und Mantel das modische Outfit bestimmen, kehrt an der Côte d’Azur der Frühling ein. Die Temperaturen haben längst den zweistelligen Bereich erobert, und die Sonne zaubert ein ganz besonders mildes Licht auf die Hügel- und Bergketten des Hinterlandes und die bis über 3000 Meter hohen Alpes Maritimes, wo noch Schnee liegt. In Isola 2000, knapp hundert Kilometer oberhalb von Nizza auf im Mittel 2000 Meter gelegen, haben Wintersportler ihren Spaß bei allerlei Skidisziplinen. Unten, an der berühmten Promenade des Anglais flanieren Touristen in schon Frühlingskleidung an der Baie des Anges entlang, genießen in einem der vielen Cafés mit Blick auf das Mittelmeer ein Glas Rosé oder Pastis.

Blütenpracht mitten in Nizza.

Frühling an der Côte d’Azur, die trotz stetig steigender Preise, nach wie vor ein Sehnsuchtsziel zahlreicher deutscher Urlauber ist. Die Touristikbranche weckt die Reiselust mit Hinweis auf blühende Gärten und Blumenzauber an der Blauen Küste. Dieser Reiselust frönten die Briten bereits Ende des 17. Anfang des 18. Jahrhunderts, als sie den nass-kalten Wintern auf ihrer Insel entflohen und es sich an der italienischen und französischen Riviera gutgehen ließen. Erste Gärten und Parks wurden angelegt, um den Gästen ein angenehmes Ambiente zu bieten. Es war die Geburtsstunde der Blumenriviera, wie sie heute bekannt ist. Die Geschichte des Gartenbaus an der Côte d’Azur reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück als erste Klostergärten entstanden wie der Jardin du Monastère de Cimiez auf dem Cimiez-Hügel in der Oberstadt von Nizza. In dem klassischen italienischen Garten mit einem Brunnen gedeihen neben Pflanzen und Kräutern auch Gemüse und Obstbäume.

Tradition, Pracht und Schönheit

Ob die Metropole Nizza mit ihrem international bekannten Blumen-Karneval oder das kleine Dorf Tourrettes-sur-Loup mit seinem Veilchen-Fest – Städte und Gemeinden an der Côte d’Azur feiern Tradition, Pracht und Schönheit ihrer Blumen und Pflanzen mit zahlreichen Festen besonders jetzt, wenn der Winter in den Frühling übergeht. Die beiden bedeutendsten und international bekanntesten sind der Karneval in Nizza vom 11. Februar bis 1. März und das Zitronenfest in Menton vom 14. Februar bis 1. März. Der Karneval in Nizza steht bei seiner 153. Auflage unter dem Motto Vive la Reine – Es lebe die Königin. Blumenparaden mit kunstvoll geschmückten Wagen, Lichterparaden, Feuerwerk und zahlreiche Attraktionen verwandeln Nizza, die Schöne, in eine einzigartige Partyzone. Ähnlich in Menton an der Grenze zu Italien, dort wo die Zitronen blühen. Seit 1934 findet La Fête du Citron statt, diesmal mit dem Thema Die Wunder des Lebendigen. Abertausende Zitrusfrüchte zieren die Motivwagen, die in mehreren Paraden durch die Stadt fahren. Die Menton-Zitrone ist eine ganz besondere Frucht, die im einzigartigen Mikroklima von Menton wächst und unter einer geschützten Herkunftsbezeichnung steht. Auf den prächtig dekorierten Wagen befindet sich keine einzige Menton-Zitrone, dafür ist sie zu wertvoll. Die Früchte für die aufwendige Deko werden importiert und nach dem Fest wieder verkauft.

Leuchtend gelb und veilchenblau

Wer es ruhiger mag, fährt in gemütlichem Tempo über die 130 Kilometer lange Route du Mimosa zwischen Bormes-les-Mimosas und Grasse. Die Mimosen stehen jetzt in voller Blüte, überziehen die südliche Provence leuchtend gelb und verströmen einen wunderbaren Duft, betörend für die Sinne (siehe: Interessante Routen). Seit 1900 wird die für die Parfümherstellung wichtige Pflanze in dieser Region kultiviert und weltweit verkauft. Mit den Mimosen-Festen zum Beispiel in Mandelieu-La-Napoule, der Hauptstadt der Mimose, wird in Südfrankreich der Frühling eingeläutet. Auch das Veilchen ist ein Frühlingsbote und wird in dem kleinen mittelalterlichen Dorf Tourettes-sur-Loup – ca. zehn Kilometer nördlich von Saint-Paul-de-Vence – Anfang März gefeiert. In dem pittoresken Dorf, Stadt der Veilchen genannt, bauen noch drei Betriebe violettes an. Werden sie geerntet, ist die Luft geschwängert von ihrem süßen Duft.

Grasse freut sich auf die Rosen im Mai.

Der Frühling hält nun rasch Einzug an der französischen Riviera. Haben wir noch Mimosen- und Veilchen-Duft in der Nase, die ersten frischen Menton-Zitronen des jungen Jahres gekostet, das Aroma des blühenden Rosmarins im Kopf, überrascht der Mai mit dem Wohlgeruch der Orangenblüten und dem zarten Bouquet der kostbaren Mairose rund um Grasse, der Hauptstadt des Parfüms. Nun dauert es nicht mehr lange, bis die ersten Lavendelfelder in der tiefer gelegenen Provence zu blühen beginnen. Mitte Juni ist es soweit.

Wirtschaftsfaktor Blumen von der Cote d’Azur

Der Blumenhandel ist ein historischer Wirtschaftsfaktor der Côte d’Azur, der sich stark gewandelt hat. Blumen werden kaum noch als Zierde für die Vase gezüchtet. Beherrschten vor Jahrzehnten noch riesige Gewächshäuser die Landschaft oberhalb Nizzas, sind heute nur noch einige wenige zu sehen. Die Parfüm- und Kosmetikindustrie sind die Großkunden der Blumenzüchter. Es sind ausschließlich die Blüten, die unmittelbar nach der Ernte verkauft und verarbeitet werden, die von Bedeutung sind. Nur die wertvollen ätherischen Öle der Blüten von Mimose, Veilchen, Rose, Jasmin, Orangenblüte und Lavendel sind für die Hersteller von edlen Parfüms und luxuriöser Kosmetik interessant. Auch für den Erfolg der Tourismusbranche ist die Blumenproduktion in Südfrankreich wichtig. Doch französische Blumen- und Lavendelproduzenten geraten immer mehr unter Druck von Billiganbietern aus Marokko, Bulgarien, Indien, der Türkei, Kenia und Äthiopien.

Blumenmarkt in Nizza: Bouquets für jeden Geschmack.

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