Wir reisen, um Länder und Kulturen zu erkunden, Menschen zu begegnen, die Küchen der Welt zu entdecken, um eine Sprache zu lernen, eine Auszeit vom Alltag zu nehmen, den Kopf wieder frei zu bekommen. Wir reisen aber auch, um schicke Resorts und Hotels kennenzulernen. Wir beziehen Quartier in historischen Gemäuern, spüren den Hauch von Vergangenheit, erfahren Anekdoten und Persönliches von einst berühmten und längst verstorbenen Menschen. Besonders Frankreich-Urlauber schätzen Gasthäuser mit Tradition und Geschichte. Hier nun eine kleine Auswahl außergewöhnlicher Unterkünfte im Süden Frankreichs – und auf dem Weg dorthin.

Etappenziel für Genießer
Wer durch die Schweiz und Italien an die Côte d’Azur reist und sich für Johann Wolfgang von Goethe interessiert, sollte vor dem Gotthard im beschaulichen Dorf Amsteg im Hotel Stern und Post übernachten. Das historische Gasthaus am Flussufer der Reuss war einst Quartier des deutschen Dichterfürsten auf seinen Schweizreisen 1775, 1779 und 1797. Die Inhaber Rolf Welti und Remo Vetter bewahren das denkmalgeschützte Ambiente des Hotels, dessen Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, mit großer Sorgfalt und Liebe zum Detail. 1357 wurde das Haus erstmals urkundlich erwähnt, war später Stützpunkt für den Postkutschenverkehr über den Gotthard. 1850 eröffnete die schweizerische Bundespost eine ihrer ersten Poststellen dort. Das Hotel Stern und Post ist heute für Kultur- und Kulinarik-Genießer ein lohnenswertes Etappenziel auf dem Weg nach Süden. Die prächtigen Stuben mit antikem Mobiliar, die hübschen Zimmer mit Antiquitäten, Bildern und Kunstobjekten, der liebevoll gepflegte Garten mit alten Sorten, das Rauschen der Reuss und eine exzellente Küche sowie vor allem die Herzlichkeit der Gastgeber verleihen dem Stern und Post eine einzigartige Atmosphäre. Der Gast spürt die Zeit, als es noch ein Abenteuer war, den Gotthard zu überqueren.

Auf Augenhöhe mit der Rhône
In Tain l’Hermitage, 80 Kilometer südlich von Lyon, liegt das privat geführte Hôtel 2Coteaux: direkt am Flussufer der Rhône und vis-à-vis der Hängebrücke Passerelle Marc Seguin, die mit dem gegenüberliegenden Städtchen Tournon-sur-Rhône verbindet. Tain l’Hermitage steht ganz im Zeichen des Weinanbaus, der weltberühmten Schokoladenfabrik Valrhona und des Obstanbaus. Das kleine, erst kürzlich komplett renovierte Hotel, ist der perfekte Zwischenstopp auf der Route Richtung Provence. Aus den Fenstern der hellen Zimmern schweift der Blick über die Rhône und die Weinberge. Die gemütliche Terrasse lädt nach der Ankunft zu einem entspannten Apéritif ein, und am Morgen lässt sich dort ein köstliches Frühstück genießen. Die Eierspeisen werden frisch zubereitet. Auch hier ist es die Herzlichkeit der Gastgeber, die das 2Coteaux so besonders macht.
Der Geist von Gounod und Mistral

Im wunderschönen und angesagten Saint-Rémy-de-Provence spüren Literatur- und Musikliebhaber im Hôtel Gounod den Geist des Komponisten Charles Gounod und des Literaten Frédéric Mistral. Es ist das Zimmer mit der Nummer 6, in dem Gounod 1863 die Oper Mireille komponierte, inspiriert von den Versen des Gedichts Mirèio aus der Feder des Provenzalen Mistral. Sie beide trafen sich im Haus der ehemaligen Poststation an der Place de la République mitten in Saint-Rémy. Besitzerin Karin Piel hat dieses Haus zu einem Kleinod gemacht und entführt ihre Gäste in eine längst vergangene Zeit. „Das Haus und seine Geschichte haben mich einfach fasziniert“, sagt sie. Hier scheinen die Uhren stehengeblieben zu sein. Im Innenhof lädt ein schöner Garten zur Mußestunde ein, der Swimmingpool bietet Erfrischung an heißen Sommertagen. In der Bar mit bequemen Sesseln, dem Klavier und zahlreichen Kunstobjekten lässt man den Tag in der Provence bei einem Drink Revue passieren und kommt schnell mit Gleichgesinnten ins Gespräch. Ausstellungen und Musikabende gehören zum Angebot des sehr individuellen Hôtel Gounod.
Blick über den Luberon

Der Blick von der Terrasse des Mas des Romarins auf Gordes und den Luberon ist kaum zu toppen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit bietet das so charakteristische provenzalische Haus mit seinen Trockensteinmauern aus dem frühen 19. Jahrhundert einzigartige Aussichten auf das wohl bekannteste Dorf der Provence und den Gebirgszug des Luberon. Beim Frühstück mit lokalen Produkten, beim herzhaften Imbiss oder bei einem letzten gut gekühlten Rosé vor dem Schlafengehen in einem der gemütlichen Zimmer lässt der strahlend blaue oder mit Sternen übersäte Himmel den Alltag vergessen. Vom Mas des Romarins ist es nur ein kurzer Spaziergang hinauf nach Gordes, was ein nennenswerter Pluspunkt ist. Denn die mühsame Parkplatzsuche bleibt dem Reisenden so erspart.
Luxus hinter historischer Fassade
Luxus und Eleganz empfängt den Gast im Hôtel Dieu in Marseille. Die Jahrhunderte alte Geschichte des einstigen Krankenhauses begann 1593 und endete 2006. Ein Jahr später kaufte die Stadt Marseille das historische Gebäude. Die AXA Real Estate-Gruppe erwarb den Pachtvertrag und investierte 120 Millionen Euro für den Umbau in ein Luxushotel, das modernsten Komfort hinter geschichtsträchtigen Mauern bietet. 2013 wurde das InterContinental Marseille Hôtel Dieu eröffnet. Die prachtvolle Terrasse gewährt dem Gast einen spektakulären Blick auf die Basilika Notre-Dame de la Garde und den Vieux Port. Zimmer mit dieser Aussicht gehören zu den teuersten im Hause. Eines zum gärtnerisch gestalteten Innenhof oder Panier Viertel tut es auch, man genießt die Zeit ja ohnehin auf der Terrasse mit schicker Bar, Bistro und Restaurant. Das Hôtel Dieu spiegelt den Wandel Marseilles von einer verruchten Hafenstadt zur modernen Metropole am Mittelmeer, in der Kunst, Kultur, Bildung und Mode neben der Schifffahrt ihren Platz unter den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren gefunden haben.

Der Sound des Meeres
Diskreter Luxus erwartet den Gast im Hotel La Belle Aurore im immer beliebteren Sainte-Maxime am Golf von Saint-Tropez. Das elegante Haus kommt wie eine private Villa daher, versprüht deshalb eine ganz besondere Atmosphäre. Die zurückhaltende Freundlichkeit des Personals unterstreicht den privaten Charakter des Hotels. Alle Zimmer sind zum Meer ausgerichtet, das nur wenige Meter vor dem Haus seine Wellen gegen die Felsen schlagen lässt. Das Rauschen des Meeres ist der allgegenwärtige Sound des Hotels, das seinen Gästen neben einem Infinity-Pool auch einen kleinen Sandstrand mit direktem Zugang zum Meer bietet. Das Gourmet-Restaurant mit herrlichem Blick auf die See verwöhnt mit kulinarischen Köstlichkeiten. Die hübsche kleine Altstadt von Sainte-Maxime mit vielen Restaurants und Geschäften ist leicht zu Fuß erreichbar – immer am Meer entlang. Im Hafen legen die Passagier-Fähren nach Saint-Tropez auf der gegenüberliegenden Seite des Golfs ab. Aktuell ist das Hotel geschlossen und wird laut Besitzer im Mai nach umfangreicher Renovierung wieder eröffnet.

Erinnerung an F. Scott Fitzgerald

Wer kennt ihn nicht, den Großen Gatsby, der Held des gleichnamigen großartigen Romans der Weltliteratur von F. Scott Fitzgerald, geschrieben in den Goldenen Zwanziger Jahren an der Côte d’Azur. Zusammen mit seiner Frau Zelda und Töchterchen Scottie verbrachte der Schriftsteller 1924/1925 einige Zeit in einer gemieteten Villa in Juan-les-Pins auf dem Cap d’Antibes, das heute die Luxusherberge Hôtel Belles Rives ist. Das wunderschöne Haus im Art-Deco-Stil, das sich in Familienbesitz befindet, hält die Erinnerung an F. Scott Fitzgerald in den öffentlichen Räumen wach. Besonders in der Fitzgerald Piano-Bar spürt der Gast den Geist der Roaring Twenties. Schaut er von der Terrasse über das Mittelmeer, kann er erahnen, wie inspirierend die Szenerie für Fitzgerald gewesen sein muss. Zugleich war das heutige Belle Rives auch ein Schauplatz ausschweifender Partys, welche die amerikanische High Society an der französischen Riviera feierte. Übrigens spannend nachzulesen in dem Roman Tage mit Gatsby von Joséphine Nicolas (Dumont Verlag).
Cocteaus Rückzugsort
Stets willkommen fühlte sich der französische Schriftsteller, Filmregisseur und Maler Jean Cocteau im Welcome Hotel in Villefranche-sur-Mer. Das Gasthaus, dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht, wurde 1710 zum Hotel. Ab den 1920er Jahren zog es Künstler wie Cocteau, Pablo Picasso und andere Persönlichkeiten wie Winston Churchill an. Cocteau bewohnte das Zimmer 22, malte dort etliche Bilder und gestaltete die Kapelle Saint-Pierre unweit des Hotels. Im Mosaik der Hotelterrasse befindet sich die Reproduktion eines seiner Gemälde. Jean Cocteau genoss die Aussicht vom Kai direkt vor dem Welcome Hotel auf die traumhafte Bucht von Villefranche und das Meer. Dies kann der Gast heute nachempfinden bei einem Cocktail und Imbiss auf dem Wine Pier oder einem guten Essen im Restaurant Le Saint-Pierre.

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