Die antike Stadt Glanum: Beginn der Geschichte von Saint-Rémy-de-Provence.

Glanum – ein außergewöhnlicher Ort

28. Februar 2026 | 0 Kommentare

In der antiken Ausgrabungsstätte begann die Geschichte von Saint-Rémy-de-Provence, heute ein quirliges Städtchen mit Charme, Kultur, Kunst und Kulinarik. Nicht nur die Kelten, Griechen und Römer, auch Persönlichkeiten der Neuzeit hinterließen ihre Spuren.

Saint-Rémy-de-Provence gehört zu den interessantesten Kleinstädten in Südfrankreich. Im Ortskern mit mittelalterlichem Flair, den engen Gassen, den Plätzen, die von großen Platanen beschattet werden, strömen in den warmen Monaten tausende Touristen auf der Suche nach der typisch provenzalischen Lebensart. Auch wenn sich die kleine Stadt mit rund 10.000 Einwohnern in den beiden vergangenen Jahrzehnten deutlich gewandelt hat, bewahrt sie den Charme der Provence aus den Zeiten des britischen Schriftstellers Peter Mayle. Mit seinen Romanen Mein Jahr in der Provence und Toujours Provence setzte er den bis heute ungebrochenen Provence-Tourismus in Gang. Zwanzig Kilometer südlich von Avignon und nur knapp neunzig Kilometer vom Mittelmeer entfernt, zieht Saint-Rémy Naturliebhaber, Radfahrer und Wanderer gleichermaßen an wie Kunst- und Modefans, die durch die zahlreichen Galerien und Boutiquen bummeln. Auch die Küche der vielen Restaurants von klassisch ländlich bis Sterne-Niveau lässt kaum Wünsche offen.

Saint-Rémy: Kunst, Kultur und Kulinarik in der Provence.

Mehr als nur provenzalisches Lebensgefühl

Doch Saint-Rémy bietet mehr als nur diese Momentaufnahme von provenzalischem Lebensgefühl und ja, so einer Art Luxus-Tourismus. Der Ort ist reich an Geschichte. Seine Wurzeln greifen bis in die keltische Zeit. Ohne die Kelten, Griechen und Römer wäre das heutige Saint-Rémy möglicherweise nicht existent. In der Neuzeit haben der Weissager und Gelehrte Nostradamus (1503-1566), der niederländische Maler Vincent van Gogh (1853-1890), der provenzalische Dichter Frédéric Mistral (1830-1914), der Komponist Charles Gounod (1818-1893) und viele andere ihre Spuren hinterlassen.

Die Wahrzeichen: Mausoleum und Triumphbogen

Die Geschichte der Stadt beginnt in der Siedlung Glanum südlich des Ortskerns. Nach zwanzig Minuten Fußweg über die Avenue Vincent-van-Gogh (Départementstraße 5), wo der große Meister an vielen Stellen seine Staffelei aufgestellt hatte, ist die antike Ausgrabungsstätte erreicht – eine der bedeutendsten in Frankreich. Auf der rechten Straßenseite beherrschen die beeindruckenden Bauwerke aus der Römerzeit die Szenerie: das achtzehn Meter hohe Mausoleum und der Triumphbogen aus der Zeit des Kaisers Augustus. Das Zentrum der Ausgrabungen, der archäologische Park, liegt auf der linken Straßenseite. Dort befindet sich auch die Abtei Saint-Paul-de-Mausole, wo sich van Gogh ein Jahr lang in der Nervenheilanstalt behandeln ließ und seine berühmten Sonnenblumen und die Sternennächte malte. Die D 5 windet sich ab Glanum in Serpentinen hinauf über den Grat der Alpilles und hinunter ins malerische Tal von Les Baux.

Die schönste Zeit Glanum zu erkunden ist der Frühling, wenn rund um die archäologische Ausgrabungsstätte die Natur ein farbenprächtiges Blütenkleid anlegt. Auch der Herbst ist sehr reizvoll und hat wie das Frühjahr den Vorteil, dass die Temperaturen in der Provence noch nicht allzu hoch sind. Im Sommer speichern die antiken Steine die Hitze. Der Spaziergang durch die alte römische Stadt ist anstrengend. Ein ausreichender Wasservorrat darf nicht fehlen, festes Schuhwerk ist ein Muss.

Der Triumphbogen.

Aus griechisch wurde römisch

Sichtachse in Glanum.

Glanum ist ein außergewöhnlicher Ort. Die Salluvier, ein keltisch-ligurisches Volk, gründeten die Siedlung im 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung als Festung auf dem Mont Gaussier. Hundert Jahre später ließen sich die Griechen dort nieder. Das Handelszentrum Glanum entstand und entwickelte sich rasch. Marseille und das Mittelmeer waren nicht weit. Händler nutzten den Weg über Glanum und die Rhône hinauf, um ihre Waren Richtung Norden zu transportieren. Die Griechen bauten die Siedlung nach ihren Vorstellungen neu auf, brachten Bildung und das Alphabet mit. Im 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung eroberten die Römer die Provence. Glanum wurde römisch. Stück für Stück wurden die Bauwerke der Griechen durch römische ersetzt. Das Forum und verschiedene Tempel entstanden, Thermen wurden gebaut, eine Kanalisation für Frisch- und Abwasser angelegt, Monumentalbauten wie das Mausoleum und der Triumphbogen errichtet. Schautafeln erklären die unterschiedlichen Baustile in Skizzen auf einer Zeitschiene. So kann der Besucher die Entwicklung Glanums sehr gut nachvollziehen. Zerstört wurde die Siedlung 260 durch die Alemannen. Die Einwohner aber ließen sich nicht vertreiben und bauten rund drei Kilometer nördlich eine neue Stadt, das heutige Saint-Rémy-de-Provence.

Ausgrabungen seit 1921

Erst 1921 wurde mit den Ausgrabungen in Glanum begonnen. Pierre de Brun (1874-1941) war der erste Archäologe, der Fundstücke katalogisierte und im Hôtel Mistral Montdragon, dem heutigen Musée Alpilles in Saint-Rémy archivierte. Jules Formigé (1879-1960) arbeitete eng mit de Brun zusammen und unterstützte den Plan der Regierung, das herrschaftliche Anwesen Hôtel de Sade in Saint-Rémy zu kaufen, zu restaurieren und als Lager und Museum für die Fundstücke aus Glanum zu nutzen. Das antike Gelände wurde 1942 bis 1969 von Henri Rolland weiter erforscht. Ab 1982 wurden ein Brunnen aus der griechischen Epoche und Anlagen der Wasserversorgung aus römischer Zeit freigelegt.

Krimiautor Cay Rademacher lässt in Glanum morden

Der Besuch dieser hoch interessanten antiken Stätte lohnt. Vom Belvedere genießt man einen wunderschönen Panoramablick auf die umliegende Landschaft, bei klarem Wetter bis hin zum Mont Ventoux und Avignon. Ein ansprechendes Besucherzentrum versorgt mit Informationen. Ein Bistro/Café lädt zum Verweilen ein. Wer noch ein wenig Nervenkitzel bei der Glanum-Expedition mag, dem ist der Krimi von Cay Rademacher Rätselhaftes Saint-Rémy (Dumont) empfohlen. Der Erfolgsautor nimmt in seinem aktuellen Roman mit Capitaine Roger Blanc die Leser mit nach Glanum, wo ein Archäologe der Pariser Sorbonne im Schacht einer heiligen Quelle ermordet gefunden wird. Rademacher erzählt eine spannende und geheimnisvolle Geschichte, die Glanum lebendig macht und Saint-Rémy noch ein Stück weit bekannter.

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